12.11.2026 | 19:00 Uhr | Stadtarchiv Dortmund | Daniel Freitag
Wie verändern soziale Medien die Sichtbarkeit, Verbreitung und Radikalisierung antisemitischer Weltdeutungen? Der Vortrag analysiert, wie das wandelbare Chamäleon des Antisemitismus gegenwärtig in christlich und islamisch geprägten Social-Media-Diskursen in Erscheinung tritt. Ausgehend von aktuellen Ansätzen der Antisemitismusforschung werden Beiträge, Kommentare und digitale Deutungsmuster untersucht, in denen religiöse Traditionen, antiisraelische Semantiken, antizionistische Feindbilder und Verschwörungsmythen ineinandergreifen. Anhand ausgewählter digitaler Fallbeispiele zeigt der Vortrag, wie alte Stereotype und verdichtete Feindbilder unter den modernen Kommunikationsbedingungen von Plattformlogiken, algorithmischer Verbreitung und transnationaler Vernetzung neu codiert, verstärkt und in spezifischen Online-Communities normalisiert werden. Damit stellt sich zugleich die Frage, wie universitäre Theologie und interdisziplinäre Antisemitismusforschung diesen Judenhass 2.0 kritisch einordnen und zur Stärkung antisemitismuskritischer Kompetenzen im medialen Raum beitragen können. Der Vortrag findet in Kooperation mit der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Dortmund e.V. statt.
Daniel Freitag studierte Evangelische Theologie in Münster, Jerusalem und Heidelberg. Er war Mitglied der Graduiertenschule des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ und arbeitete für das interdisziplinäre „Centrum für Religion und Moderne“ (CRM). Forschungsaufenthalte und Fellowships führten ihn bereits an die Päpstliche Universität Gregoriana in Rom oder nach Israel an die Tel Aviv University und zuletzt an das „Institute for the Study of Contemporary Antisemitism“ der Indiana University in den USA. Für seine Dissertation untersuchte er Antisemitismus und Verschwörungsmythen in religiösen Social-Media-Diskursen.

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